Testament



Vor der Entscheidung, ob und wie ein Testament aufgesetzt werden sollte, steht die Frage, was habe ich zu vererben, wem will ich es vererben, oder ggf. nur im Rahmen eines Vermächtnisses zukommen lassen und was soll geschehen, wenn mein gewünschter Erbe das Erbe nicht annimmt bzw. bereits verstorben oder selbst verschuldet ist.

 

1. Wenn keine eigene Regelung getroffen wird, tritt die gesetzliche Erbfolge ein, die auf einem Verwandtenerbrecht beruht. Daneben erbt auch immer der Ehegatte bzw. Partner einer eingetragenen Lebensgemeinschaft. Daraus ergibt sich auch, dass der Lebensgefährte einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft niemals gesetzlicher Erbe ist und daher hier ein Testament errichtet werden muss, wenn er erben soll. Wer Erbe wird, erbt immer das Vermögen im Ganzen, d.h. das Sparguthaben, das Bargeld, Grundstücke, auch Schulden usw. insgesamt, selbstverständlich auch die Schulden. Sind mehrere Erben vorhanden, so erben sie gemeinsam. Wenn die eigenen Wünsche nicht mit der gesetzlichen Erbfolge übereinstimmen, z.B. wenn ein anderer Erbe werden soll, oder ein bestimmtes Bild eine bestimmte Person erhalten soll usw. muss ein Testament/ Erbvertrag errichtet werden.

 

2. Hierbei sind dann auch die Pflichtteilsrechte zu berücksichtigen. Pflichtteilsberechtigt sind Abkömmlinge, Eltern und Ehegatte des Erblassers. Diese Pflichtteilsrechte sind im Gegensatz zum Erbteil nur Geldansprüche und sind der Höhe nach auf die Hälfte des gesetzlichen Erbteils beschränkt. Zur Durchsetzung des Pflichtteilsanspruchs steht dem Pflichtteilsberechtigten ein Auskunftsanspruch gegen den Erben/ Beschenkten zu.

 

3. Bei der Abfassung des eigenen Testaments sind u.a. verschiedene Formvorschriften zu beachten. Der Gesetzgeber hat verschiedene Möglichkeiten zur Verteilung des Vermögens geschaffen. So kann ein Ersatzerbe bestimmt werden, die Vor- und Nacherbschaft, ein Vermächtnis, eine Auflage. Der Erblasser kann eine Teilungsanordnung treffen. Es kann ein Testamentsvollstrecker eingesetzt werden, was z.B. sinnvoll ist, wenn mehrere Erben vorhanden sind, die sich eventuell nicht einigen können, wie mit dem Erbe umgegangen wird.

 

4. Eine weit verbreitete, jedoch nicht immer sinnvolle, Gestaltungsmöglichkeit bietet der Gesetzgeber für verheiratete Paare und auch eingetragene Lebenspartner. Diese können ein gemeinsames Testament dergestalt errichten, dass sie gemeinsam ihre Verfügungen treffen. Eine besondere Form des gemeinschaftlichen Testaments ist das “Berliner Testament”, bei dem sich die Ehegatten als Alleinerben und Dritte (meist die Kinder) als Erben des Letztversterbenden einsetzen. Hier müssen sich die Ehegatten jedoch darüber im Klaren sein, dass durch die Einsetzung als Alleinerben zunächst die Kinder enterbt werden, mithin also ihren Pflichtteil fordern können und zum anderen, dass der überlebende Ehegatte Beschränkungen im Hinblick auf das hinterlassene Vermögen unterliegen kann. Es können z.T. “Erlaubnisse” erteilt werden, die im Testament aufgenommen sein müssen. Wichtig ist, dass die in einem gemeinsamen Testament getroffenen wechselbezüglichen Verfügungen nur zu Lebzeiten des anderen Ehegatten widerrufen werden können. D. h. nach dem Tod des Ehegatten kann der überlebende Ehegatte z. B. nicht mehr die Erbeinsetzung der Kinder ändern. Es sei denn es wird die Abänderung erlaubt oder es liegen keine wechselbezgl. Regelungen vor oder der Ehegatte schlägt rechtzeitig aus.

 

5. Mit der europäischen Erbrechtsverordnung, die für Erbfälle ab dem 17.08.2015 gilt, ergeben sich neue Risiken aber auch Gestaltungsmöglichkeiten, da dann ggf. auch das Recht eines anderen Mitgliedsstaates der Europäischen Union Anwendung finden kann.

 

6. Jeder Einzelne von Ihnen hat persönliche Vorstellungen davon, was mit seinem Vermögen geschehen soll und was nicht. Jeder Einzelne hat auch ganz persönliche Familienverhältnisse. Dann besteht jedoch zwangsläufig die Notwendigkeit, dass jeder Einzelne ein Testament aufsetzt, das auf ihn persönlich zugeschnitten ist. Es nützt Ihnen also nichts, wenn nach Ihrem Tod Ihre Vorstellungen nicht berücksichtigt werden, weil Sie sie entweder gar nicht in Ihrem Testament erwähnt haben oder aus Unkenntnis die falschen Anordnungen getroffen haben.

 

Da das Erbrecht umfassend und vielfältig ist, ist davor zu warnen, einfach nur ein Testament abzuschreiben oder bestimmte Anordnungen aufzunehmen, ohne sich darüber Kenntnis zu verschaffen, was diese Anordnungen im Einzelnen bedeuten. Denn Sie können nach Ihrem Tod nicht mehr erklären, was Sie wollten. Es ist daher anzuraten, sich frühzeitig um seine Vermögensübertragung im Todesfall und ggf. auch bereits zu Lebzeiten Gedanken zu machen und diese durch fachlichen Rat zum Erfolg zu führen.

 

Sie können entscheiden, was mit Ihrem Vermögen geschehen soll. Lassen Sie nicht andere über Ihr Vermögen walten.